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Ein Pony erzählt

Ein Pony erzählt

Liebe Kinder, wisst Ihr, wovon ich träume?

Von saftigen, grünen Wiesen und wärmenden Sonnenstrahlen auf meinem glänzendem Fell.
Von frischer Luft und zwitschernden V
ögeln und Bäumen, die sich im sanften Windhauch wiegen.

Ich träume von einem klaren Bächlein,aus dem ich trinken kann, wann immer ich durstig bin.
Ich tr
äume von einer großen Weide, auf der ich mit meiner Ponyfamilie kreuz und quer galoppieren kann;
auf der wir aber auch rasten und ruhen kö
nnen, wenn wir vom vielen Toben müde sind.


ein Bild


Ja, ich träume auch von zarten Kinderhänden, die mich liebevoll streicheln und tätscheln, die mir frische Möhren
und saftige Ä
pfel auf der flachen Hand anbieten. Ich mag es, wenn liebe Menschen mich umarmen und lobende Worte in mein Ohr flüstern.

Aber von all diesen Dingen und Erlebnissen kann ich nur träumen, denn mein wirkliches Leben sieht leider ganz anders aus!
Wollt Ihr wissen, wie ich lebe? Ich bin ein kleines, altes Pony auf der Kinderreitbahn beim Volksfest in Eurer Stadt.
Zusammen mit anderen Pferdchen gehe ich stundenlang im Kreis, immer in dieselbe Richtung.

Alles, was ich sehe, ist der Hintern des Ponys vor mir. Mein Kopf ist so tief nach unten gebunden,
dass ich nicht sehen kann, wer auf meinem R
ücken sitzt. Alles, was ich hören kann, ist der Lärm auf dem Volksfestplatz, das
Kreischen von Motoren und Maschinen um mich rum. Alles, was ich riechen kann, ist Menschenschwei
ß, Bratwurstdunst
und die dumpfe, stickige Luft, die unter dem Reitbahnzelt liegt

Alles, was ich fühlen kann, sind die Schmerzen in meinem Kreuz, in meinen Knochen und Gelenken und das grobe Ziehen
der Z
ügel in meinem Mund. Alles, was ich schmecken kann, ist der trockene Staub in der Manege. Wenn endlich alle Kinder im
Bett sind, dann werden auch wir in unseren winzigen Stall gef
ührt, dort bekommen wir abgestandenes Wasser und trockenes Heu.
Und wenn wir in Eurer Stadt unsere Arbeit getan haben, zerren uns kaltherzige Menschen in enge Transportwaggons und bringen
uns in die n
ächste Stadt, wo uns die gleiche Qual erwartet. So geht es Tag um Tag, Jahr für Jahr, bis wir nicht mehr können.

Liebe Kinder, nun wisst Ihr, warum ich so gerne träume und nur im Halbschlaf meine Arbeit tue.
Wenn Ihr mir und all meinen Leidensgenossen helfen wollt, dann erz
ählt meine Geschichte und reitet nicht auf dem Festplatz!

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?  
   
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